Die Verfassung 1848

Mit der gesamten Bevölkerung kehrte unser schwäbischer Staatsgründer zurück in das nun nicht mehr ganz so stille Tal. Nachdem man sich in benachbarten Höhlen eingerichtet hatte, begannen am 1.7.1848 die ersten Verhandlungen über eine konstituierende Versammlung, um eine Verfassung auszuarbeiten. Am Nachmittag des selben Tages konnte die konstituierende Versammlung einberufen und am Abend des nächsten Tages sodann die Verfassung einstimmig angenommen werden. Dies war für viele Jahre die erste und einzige demokratische Abstimmung im noch jungen Cavembourg.

Eine Woche später fand die etwas schlichte Krönungszeremonie des neuen Staatsoberhauptes Heinrich I. statt. Da es weder Kathedrale, Thronsaal oder andere passende Räumlichkeit gab, errichtete man auf einer Lichtung im Wald einen einfacher Pavillon und hielt die Zeremonie zwischen den Fichten und Lärchen im Morgengrauen eines herrlichen Sommertages ab. Unter dem anhaltenden Jubel der Bevölkerung unterzeichnete der neue König dann die Verfassung des neuen Staates.

Aus unserem schwäbischen Auswanderer war „König von Cavembourg, Großherzog der Hügel, Sonne des Tals und der Höhen, Heinrich der Erste“ geworden, Staatsoberhaupt und einziger Souverän des Staates Königreich Cavembourg.
Die junge Verfassung stellte ihm einen Ministerpräsident und einen Minister für besondere Aufgaben zur Seite. Diese Zwei-Mann-Regierung wird verfassungsgemäß vom Volk zur Wahl vorgeschlagen und vom Staatsoberhaupt gewählt.

Die revolutionäre Badische Republik verabschiedete sich bald darauf unter Kontrolle des Preußischen Heeres und hinterließ neben einem Funken Liberalismus auch das kleine, absolutistische Königreich Cavembourg mitten in Europa.

Die Krönung Heinrichs I.

„Die Krönung Heinrichs I.“ 1848 von Jean-Baptiste Freses (1800 – 1867); Öl auf Leinwand, Königliche Staatsgalerie Cavembourg

Dieses Gemälde zeigt den jungen König Heinrich I. (Mitte) vor dem Krönungspavilion. Es hat eine Fülle verschiedener Interpretationsebenen und zeigt die kritische und satirische Herangehensweise Freses, die auch seine politische Haltung gegenüber der neuen Monarchie aufzeigt. So malte er den König eingerahmt von zwei Knaben, wobei einer im Matrosenanzug die Gesichtszüge des ersten Ministerpräsidenten Hans Esuh trägt und der andere Knabe die Verfassung schwenkt. Esuh war eigentlich 10 Jahre älter als Heinrich und keineswegs ein Knabe. Außerdem beweist dieses Bild die visionäre Vorstellungskraft des Künstlers, da es zum Zeitpunkt der Krönung noch keine Burg oder ähnliches in Cavembourg gab. Viele Jahrzehnte konnten die Kunsthistoriker auch nicht deuten, was es mit dem abstrakt anmutenden Himmelskörper auf sich hat, der in rot über der Szene schwebt.
Erst 1955 gelang einem Kunststudenten der Académie royale des Beaux-Arts de Bruxelles die Interpretation einer Diesellok, ähnlich der Baureihe V 200. Was auch immer dies zu bedeuten hatte…..

Fortsetzung folgt…

4 Gedanken zu “Die Verfassung 1848

  1. Hallo Gregor,
    interessamte Aspekte aus grauer Vorzeit, die leider nirgends so gut dokumentiert sind, wie in Deiner Quelle.

    greg hat geschrieben: ↑
    So 7. Mai 2017, 11:52
    Es hat eine Fülle verschiedener Interpretationsebenen und zeigt die kritische und satirische Herangehensweise Freses, die auch seine politische Haltung gegenüber der neuen Monarchie aufzeigt. So malte er den König eingerahmt von zwei Knaben,

    1848 war nunmal ein sehr ereignisreiches Jahr, gerade in Deutschland, wo die Bestrebungen von einer Monarchie wegzukommen, sehr groß war. Da darf es also nicht verwundern, dass der Maler Frese auch versuchte, den Zeitgeist widerzuspiegeln und gleichzeitig das Preußentum und den Norddeutschen Bund auf die Schippe nahm (Kind im Matrosenanzug).

    greg hat geschrieben: ↑
    So 7. Mai 2017, 11:52
    Viele Jahrzehnte konnten die Kunsthistoriker auch nicht deuten, was es mit dem abstrakt anmutenden Himmelskörper auf sich hat, der in rot über der Szene schwebt.
    Erst 1955 gelang einem Kunststudenten der Académie royale des Beaux-Arts de Bruxelles die Interpretation einer Diesellok, ähnlich der Baureihe V 200.

    Es sollte nicht verwundern, dass Frese in den erweiterten Dunstkreis des zu dieser Zeit in Paris studierenden Jules Verne gehörte, der bekanntermaßen auch einen sehr guten Kontakt zu Alexandre Dumas unterhielt. Dumas selbst hielt sich (zumindest nach offiziellen Quellen) anfang der 50er Jahre des 19. Jahrhunderts in Belgien auf, also in unmittelbarer Nähe zu Cavembourg. Unbestätigen Quellenangaben zufolge soll er aber schon einige Jahre zuvor desöfteren im belgischen Grenzgebiet zu Frankreich und Deutschem Reich gesehen worden sein, um in Ruhe seine Romane verfassen zu können. Hierbei kann er durchaus auch mit dem Maler Frese Kontakt unterhalten haben, weil Dumas einen Illustrator für seine Romane suchte. Auf diese Weise kann auch ein Kontakt zu Jules Verne zustande gekommen sein.

    Da Jules Verne bereits während des Studiums schriftstellerisch aktiv war (wenn auch in einem anderen Genre), ist es durchaus möglich, dass Frese von Vernes Visionen einer zukünftigen Welt gehört hat. So setzte Frese einige dieser Visionen darstellerisch um, wie z.B. frühe Entwürfe des U-Boots aus 20.000 Meilen unter dem Meer, das erst viele Jahre später erscheinen sollte.

    Frese nutze solche Motive als Metapher in zahlreichen seiner Gemälde, wobei die „V200“ Metapher auf dem Bild der Krönung eine „rosige Zukunft und Fortschritt für das so junge Königreich“ darstellen sollte.
    Als dieses Krönungsbild Freses nach dem 2. Weltkrieg aus dem Raubkunst-Fundus Görings zeitweise im Louvre ausgestellt war, besuchte der damalige Chefdesigner der Firma Krauss-Maffei, der kurz zuvor aus französischer Kriegsgefangenschaft entlassen, auf dem Heimweg über Paris dort einen kurzen Zwischenhalt machte, eben diese Sonderausstellung und war von der visionären Darstellung Freses dermaßen beeindruckt, dass diese in seinem Hirm wie eingebrannt blieb.
    Als 1952 die ersten Entwurfskizzen des Vorserienmodells der V200 für die Deutsche Bundesbahn gezeichnet wurden, war es eben dieser Chefdesigner, der dieser späteren Lok seine dem Gemälde entnommenen Form gab.

    Du siehst also, dass Frese ein von Jules Verne „angesteckter“ Visionär war, dessen Gemälde zur richtigen Zeit am richtigen Ort hing und so aus einer Vision Realität wurde. So konnte im Jahr 1955 auch endlich die von Dir oben erwähnte Interpretation erfolgen, da zu jener Zeit die Prototypen der V200.1 bereits über ein Jahr auf deutschen Schienen liefen.

    Der Schriftzug „Märklin“ ist auch schnell erklärt:
    Hier wurden zwei Begriffe zusammen gesetzt – „Mär“ (für Märchen, märchenhaft) und „Klin“, einer Kleinstadt zwischen Moskau und Sankt Petersburg. Die Herleitung von Klin rührt offenbar daher, dass Mitte des 19. jahrhunderts die Stadt Klin an das russische Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. – Für die dortigen Einwohner „märchenhaft“.

    So genug an den Haaren herbeigezogen… 😀
    Grüße aus der Nachbarschaft Cavembourgs

    Erich

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    1. Hallo Erich!

      Ich selbst kann natürlich nicht alle Facetten der Geschichte ausarbeiten – das würde dann doch den Rahmen sprengen. Umso dankbarer bin ich, dass du mit uns dein Wissen teilst!!!! Ich bin doch erstaunt, wie viel mir selbst verborgen blieb, obwohl ich mich zur Zeit intensiv mit der Geschichte Cavembourgs beschäftige. Danke dir! – ich amüsiere mich gerade köstlich! 😀 :fool:

      Herzliche Mobagrüsse

      gregor 8)

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  2. Guten Morgen Gregor @All,

    zur Entspannung vom alltäglichen Arbeitsstress habe ich mich mal, wie Erich auch, in die Geschichtsschreibung Cavembourgs vertieft und siehe da, es kamen interessante neue Details zum Vorschein, welche die Staatsgründung möglicherweise in einem neuen Licht erscheinen lassen und bis Mitte des 16. Jahrhunderts, direkt in den 80-jährigen Krieg, oder auch „Spanisch-Niederländischer-Krieg“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Achtzigj% … iger_Krieg) in und um Flandern und ins Herrscherhaus Karls des V. und Margarethe von Parma (einer unehelichen Tochter Karls des V.: https://de.wikipedia.org/wiki/Margarethe_von_Parma) zurückreichen.

    Eine erste Suche mit dem Suchbegriff „Cavembourg“ im Onkel Gockel ergibt folgendes Ergebnis:

    Bild:
    https://books.google.de/books?id=xHdKAAAAcAAJ&pg=PA1214&lpg=PA1214&dq=cavembourg&source=bl&ots=U8LCca6W2e&sig=qg7VSKB2_avZBbkd2CewPfJbpr0&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiww7TK5-nTAhUKKsAKHdKlB18Q6AEIVjAH

    Es handelt sich, soweit ich das verstanden habe, wohl um monatlich erschienene Journale, welche heute z.B. unter dem Titel:
    Mémoires pour l’histoire des sciences et des beaux arts: 1705,3, Band 1705,Ausgabe 3
    in der Bayrischen Staatsbibliothek aufbewahrt werden und für Google digitalisiert wurden.

    Das interessante dabei ist, das Cavembourg in einem Bericht (Guerras de Flandes: Primera decada, desde la muerte del Emperador Carlos V.) von Famiano Strada/Estrada (Link: https://nl.wikipedia.org/wiki/Famiano_Strada) auf Seite 211 namentlich mit „Condado de Ef-cavembourg“ erwähnt wird. Das spanische Condado bedeutet ins Deutsche übersetzt ungefähr Grafschaft. Hier mal ein digitalisierter Auszug aus dem Journal

    Bild
    https://books.google.de/books?id=rf-IDqa1RRMC&pg=PA211&lpg=PA211&dq=cavembourg&source=bl&ots=FbWBSRHp7u&sig=fMnqGRhh2wqKWGdYyiatrVvx6eI&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiww7TK5-nTAhUKKsAKHdKlB18Q6AEIYzAK#v=onepage&q=cavembourg&f=false

    Cavembourg ist im Text gelb hinterlegt.

    Dies könnte darauf hindeuten, dass unser schwäbischer Auswanderer möglicherweise auch ein gaaaanz entfernter (unehelicher??) Nachfahre Karls des V. ist und entweder nicht wie bislang geglaubt „nur zufällig“ dort aufgetaucht ist, oder aber auch von seiner Herkunft nichts wusste. Dies bedarf der weiteren wissenschaftlichen stummiarchäologischen und möglicherweise auch stummiheraldischen Aufklärung 😆 😆 .

    Hier mal zur Vervollständigung noch eine Chronologie des Spanisch-Niederländischen Krieges von 1568 bis 1648

    Bild
    https://books.google.de/books?id=rf-IDqa1RRMC&pg=PA211&lpg=PA211&dq=cavembourg&source=bl&ots=FbWBSRHp7u&sig=fMnqGRhh2wqKWGdYyiatrVvx6eI&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwiww7TK5-nTAhUKKsAKHdKlB18Q6AEIYzAK#v=onepage&q=cavembourg&f=false

    Wie man sieht liegt Cavembourg zumindest am Rande der Geschehnisse. Sollten sich diese Erkenntnisse bewahrheiten, dann dürfte Cavembourg mindestens 200 Jahre älter sein, als die Verfassung von 1848 vermuten lässt. Möglicherweise handelt es sich ja nicht um eine neue Staatsgründung, sondern eine Wiedererrichtung einer uralten Grafschaft :bigeek: .

    Gregor, wir bitten um weitere Aufklärung. Was gibt das Staatsarchiv Cavembourgs dazu her??

    Mit äußerst neugierigen Grüßen
    Peter

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    1. Hallo miteinander

      erst mal vielen Dank für euer Interesse an der Geschichte Cavembourgs! 😀

      Peter, da hast du ein einzigartiges Dokument ausgegraben! Ich gebe zu, dass es mir während meiner Recherche auch schon begegnet ist und ich es aber fürs erste unbeachtet ließ – ein schwerwiegender Fehler, wie mir jetzt klar wird. Denn es handelt sich wohl rückblickend um jenes Dokument, mit dem Heinrich vermutlich damals in Frankfurt gegenüber der Badischen Republik die Hoheitsrechte auf das Gebiet Cavembourgs rechtfertigte. In wie weit Heinrich aber ein Nachfahre Karls des V. ist, kann man aus den vorliegenden Quellen leider nicht schließen. Wie wir später noch erfahren werden, stammt Heinrich wohl aus Eglingen, einem kleinem Weiler in der Gemeinde Hohenstein, Landkreis Reutlingen auf der Schwäbischen Alb. Wie es einen Zweig der niederländischen Habsburger in den Wirren der Reformationskriege auf die Schwäbische Alb verschlagen haben soll, wäre sicher auch eine spannende Geschichte….

      Es sind bei weitem noch nicht alle Archivalien und Quellen erschlossen, eventuell muss die Geschichte Cavembourgs letztlich umgeschrieben werden.

      Ich bleibe dran und wünsche euch allen
      ein schönes, erholsames Wochenende!

      gregor 8)

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