Rückblick Teil 3: Heinrich in der Schweiz und die Gründung des französischen Geheimdienstes

Bisher fanden die Staatsgeschäfte Cavembourgs in der schweizerischen bzw. europäischen Öffentlichkeit kaum Beachtung. Das änderte sich, als mit Unterstützung Frankreichs die cavembourgische Interimsregierung am 1. November 1865 ein Kopfgeld über 500 Thaler für Hinweise über den Aufenthaltsort des flüchtigen Königs auslobte und entsprechende Suchanzeigen in allen großen europäischen Zeitungen annoncierte.

Plötzlich war der Kleinstaat Cavembourg in der Presse und Tagesgespräch in ganz Europa. Man wunderte sich über diesen unorthodoxen Schritt einer kaum bekannten ausländischen Regierung und es kam die berechtigte Frage auf, wie weit der Arm Cavembourgs wohl reichen würde…

Heidelberger Zeitung

Abbildung: Die Annonce oben links schalteten die Franzosen in allen großen Zeitungen Europas. Hier ist es die „Heidelberger Zeitung“ vom 1. November 1865.

Es gab in der Folge mehrere Zeitungsartikel, die sich mit der Geschichte Cavembourgs befassten und das Geheimnis hinter der mysteriösen Suchanfrage lüfteten. Die meisten dieser Reportagen und Artikel solidarisierten sich mit dem legitimen König und verurteilten das unverkennbare Ränkespiel Napoleons. Preußen, aber auch England mussten sich unter dem Druck des öffentlichen Interesses positionieren. Es erfolgte im Jahresverlauf 1866 die Anerkennung Cavembourgs als souveräner Staat durch die meisten europäischen Monarchien – nicht zuletzt aus politischem Kalkül um Napoleon III. in die Schranken zu weisen. Für Napoleon III. entwickelte sich diese Suchaktion zu einem peinlichen PR-Desaster mit erheblichen politischen Imageschaden.

Trotzdem stieg die Gefahr der Aufdeckung für Jouef und seinen Gast, der dieser neuen pro-cambourgischen Stimmung misstraute, und so entschied man sich das Exil im Fürstentum Rumänien fortzusetzen. Ein entfernter Verwandter des Königs lebte als Nachfahre donauschwäbischer Auswanderer in Siebenbürgen. Am 1. Januar 1866 reiste Heinrich I mit dem Zug unter dem falschen Namen Jonas Harker über Wien und Budapest nach Schäßburg.

Von Basel aus schrieb Heinrich seinem Freund Karl Napf ins ferne Amerika und bat ihn um Rat und Beistand bei der Rückeroberung seines Landes. Napf bekam diesen Brief zehn Wochen später, als er gerade im Begriff war mit dem persischen Gelehrten Dschafar Mirza nach Bagdad aufzubrechen. Napf beschloss bei seiner Rückreise in Europa Halt zu machen und seinen Freund Heinrich im Exil zu besuchen.

Die Gründung des französischen Geheimdienstes

Im Rückblick bedeutete die Suche nach Heinrich die Geburtsstunde des französischen Geheimdienstes.

Cavembourg war für Napoleon III. von herausragender, militärischer Bedeutung. Um die französische Besatzung zu sichern, drängte Napoleon III. darauf, die legitimen Machtansprüche Heinrichs mit allen Mitteln zu unterbinden. Der französische Generalstab organisierte darum eine spezielle Abteilung, die sich mit der Suche nach Heinrich und der Eliminierung dieser Ansprüche befassen sollte.

Die Abteilung operierte von Cavembourg, mit Beginn des Deutsch-französischen Krieges dann von Paris aus. Das Aufgabenfeld der Abteilung erweiterte sich bereits im Vorfeld des Krieges erheblich, so dass die Suche nach Heinrich, auch auf Grund der aufmerksam gewordenen internationalen Öffentlichkeit, bereits 1867 eingestellt wurde.

Nach der Abdankung Napoleons und der Gründung der 3. Republik Frankreichs trat diese Abteilung als „Deuxième Bureau“ („Zweites Büro“) auch offiziell in Erscheinung. „Deuxième“, weil es nach der cavembourger Zeit das zweite Büro dann in Paris war. Es sollte über militärische Gegner aufklären und Informationen über Staatsfeinde sammeln.

Etwas später gründete man auch ein „Premier Bureau“ („Erstes Büro“). Die Namensgebung „Premier“ sollte helfen das gescheiterte Engagement des tatsächlich ersten Büros in Cavembourg zu verschleiern. Seine Aufgabe war den Generalstab über den Status der eigenen französischen und verbündeten Truppen zu informieren.
Das „Deuxième Bureau“ schreckte, trotz des desaströsen Ausgangs ihrer ersten Aktion, auch später nicht vor unkonventionellen Methoden zurück (wie z.B. in der Dreyfus-Affaire, die am Ende die Auflösung des Bureaus bedeutete).

Fortsetzung folgt…

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