Die Geschichte des Dr. Benjamin Grottler (ehemals von Cavembourg)

Einleitung: Auf der Modellbahnanlage von Gerhard wird ebenfalls eine Geschichte erzählt: Die Geschichte von Toni aus Müselbach. Und in eben dieser Geschichte, tauchte ein gewisser Dr. Benjamin Grottler auf, Österreichischer Verkehrsminister, der vor 1938 den Nachnamen „von Cavembourg“ trug und diesen nach dem Anschluss Österreichs ablegen musste.

Ich bin der Sache nachgegangen und habe über diesen Dr. Benjamin Grottler, ehemals von Cavembourg, einiges herausgefunden, das ich euch in drei Teilen vorstellen möchte:

Die Geschichte des Dr. Benjamin Grottler (ehemals von Cavembourg)

Eisenbahningenieur, Widerstandskämpfer, Politiker und Österreichischer Verkehrsminister

Teil 1: Vor dem Krieg

Benjamin von Cavembourg, geboren 1910, war das jüngste von 8 Kindern des Grafen und Bankiers Hans und Elfriede von Cavembourg aus Cavembourg und damit Spross einer der Gründerväter des Königreichs. Nach einer glücklichen Kindheit im gräflichen Herrenhaus, zog es ihn 1931 zum Studium des Bahningenieurwesens nach Wien, Österreich. Dort lernte er die Österreicherin Karla Rössler kennen und lieben.

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Foto 1: Benjamin von Cavembourg im Alter von 6 Jahren, vermutlich vor dem gräflichen Elternhaus in Cavembourg.

Nach dem Studium, das er mit einem Doktor abschloss, fand er eine Anstellung bei der Bundesbahn Österreichs BBÖ. Hier war er unter anderem für den Bau und die Instandhaltung von Nahverkehrs- und Schmalspurbahnen zuständig, wie z.B. der Bregenzerwaldbahn, für die er bis 1939 verschiedene Neubauprojekte leitete.
Durch den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 sah sich Benjamin von Cavembourg gezwungen, die österreichische Staatsangehörigkeit anzunehmen und seinen französisch-klingenden Adelsnamen abzulegen. Er wurde zu „Grottler“ eingedeutscht. Im gleichen Jahr heiratete er seine langjährige Liebe Karla, aus dem beschauliche Müselbach bei Bregenz.

Am 18. März 1938 übernahm die Deutsche Reichsbahn die BBÖ. Die österreichischen Eisenbahner wurden dabei flächendeckend einer politischen Untersuchung unterzogen und mussten „jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintreten“. In seiner hohen Beamtenposition erkannte der bis dato unpolitische Grottler die Vernichtungsmaschinerie des Naziregimes und die bedeutende Rolle der Eisenbahn im Kriege und am Massenmord an den Juden und den anderen Minderheiten. Dies warf ihn in einen tiefen moralischen Konflikt als Eisenbahner und Menschfreund.

Fotoreihe: Diese Bilder entstanden 1935. Grottler inspiziert darauf einen gerade ausgelieferten Dampftriebwagen. Zwischen 1935 und 1938 bestellte er für die BBÖ 20 dieser Dampftriebwagen bei der Lokomotivfabrik Florisdorf in Wien. Die Fahrzeuge wurden als DT 1 (Dampf Triebwagen) bezeichnet. Obwohl für den leichten Schnellzugdienst konzipiert, wurden die Triebwagen überwiegend auf Nebenbahnen eingesetzt, weshalb sie den Spitznamen „Dorftrottel“ für DT erhielten. Heute existieren noch zwei Exemplare dieses Gefährts: Eines im Eisenbahnmuseum Strasshof (DT 1.07) und eines im Königlichen Technikmuseum Cavembourg (BR 71.511).

Fortsetzung folgt mit Teil 2: Grottler und der Widerstand der Eisenbahner in der „Ostmark“

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