Der 1. Weltkrieg Teil 3: Zurück in die Gründerzeit

Hintergrund:
3. August: Deutschland erklärt Frankreich den Krieg. Als Begründung dient ein imaginärer, französischer Luftangriff auf Nürnberg.
4. August: Deutsche Truppen fallen in Belgien ein und verwüsten die Kleinstadt Visé an der Meuse. Sie ist eine der erste von weiteren belgischen Gemeinden, die im Laufe des Augusts zerstört und deren Bewohner von den deutschen Soldaten aus Furcht vor bewaffneten Freischärlern („Francs-tireurs“) massakriert werden.
5. August: Die Provokation und Verletzung der Neutralität Belgiens zwingt die Garantiemacht England Deutschland den Krieg zu erklären. Die deutschen Truppen erreichen das Städtchen Differdingen an der belgisch-französischen und luxemburgischen Grenze ohne auch nur auf einen französischen Soldaten gestoßen zu sein.

Die deutschen Truppen haben Befehl Luxemburg/Stadt und Umgebung militärisch zu besetzen, und den Eisenbahnverkehr aufrecht zu erhalten. In die luxemburgische Zivilverwaltung wird nicht eingegegriffen:
„Unsere militärischen Maßnahmen in Luxemburg bedeuten keine feindliche Handlung gegen Luxemburg, sondern lediglich Maßnahmen zur Sicherung der Eisenbahnen gegen Überfälle der Franzosen.“ rechtfertigt die Reichsregierung in Berlin die Besetzung.
Ob absichtlich oder nicht: Cavembourg wurde in keinem militärischen Dokument erwähnt.

Karte: Nach dem Krieg stellt sich heraus: Sogar in den militärischen Auslandskarten in Berlin war Königreich Cavembourg nicht verzeichnet. Der Kartenausschnitt zeigt deutliche Manipulationsspuren in der Region, wo das Königreich verzeichnet sein sollte (Pfeile).
In den 1990ger Jahren konnte durch die Wiedervereinigung Deutschlands und die Öffnung des DDR Militärarchiv Potsdam, die Untersuchungen über die manipulierten Karten, abgeschlossen werden. Jemand hatte sich wenige Tage vor Kriegsbeginn über einen Vertrauensmann und mit Hilfe einer falschen Identität (als „Sekretärin Liselotte Müller“) Zugang zum Generalstabsgebäude am Königsplatz (heute Platz der Republik) verschafft und ist in das dortige Kartographiedepot eingedrungen. Es liegt die Vermutung nahe, daß diese konspirative Aktion in direktem Zusammenhang mit der diplomatischen Reise von Königin Paula in Berlin steht. Sie deutete das auch bei dem Treffen mit ihrem Ministerpräsidenten am 1. August 1914 an: „…Aber ich konnte eine kleine Kleinigkeit bewirken … wir werden sehen, ob das Kriegsgetös´ diesen Leuten die Sinne vernebelt.“

Hintergrund:
6. August: Österreich-Ungarn erklärt Russland den Krieg. Alle europäischen Großmächte, außer Italien, befinden sich nun im Krieg. Die Triple-Entente Russland, Frankreich, Großbritannien trifft auf die Allianz der beiden Kaiserreiche Deutschland und Österreich-Ungarn.
5. September: Der am 2. August begonnene deutsche Vormarsch verläuft in den ersten Wochen erfolgreich, wird aber am 5. September durch eine überraschende französisch-englische Gegenoffensive am Fluß Marne gestoppt, ab dem 9. September sogar in einen taktischen Rückzug der Deutschen verwandelt. Die Schlacht an der Marne markiert damit das Scheitern des Schlieffen-Plans und den Wendepunkt des Krieges. Zwischen November 1914 und März 1918 erstarrt die Front im Westen in einen Stellungs- und Grabenkrieg.

Um eine Besetzung Cavembourgs zu verhindern, oder zumindest zu erschweren, werden am 30. September 1914 auf Anordnung von Cavembourgs Innenminister Marcel Jamet die beiden Grenztunnel der Hauptverkehrsstraße nach Luxemburg/Stadt und Grevenmacher verschüttet und die Zufahrtsstraßen zurückgebaut. Die Eisenbahntunnel bleiben bis August 1917 offen, werden aber durch cavembourgische Grenzschutzpolizei gesichert.
Der zivile grenzüberschreitende Eisenbahnverkehr wird komplett eingestellt.

Nur auf Umwegen gelangt man noch in die Täler Cavembourgs. Wie zu Gründerzeiten, muss man auf Pfaden und schmalen Wegen die Hügel erklimmen. Die geografische Verborgenheit des Landstrichs macht sich nun bezahlt.

Nicht nur Kriegsmangel, sondern auch die Abschottung läßt die Preise vieler Dinge des alltäglichen Bedarfs steigen, vieles muss umständlich ins Land geschmuggelt werden. Von großem Vorteil zeigt sich, dass die wichtigsten Bereiche in der Landwirtschaft, der Jagd und der Forellenzucht noch immer unter staatlicher Kontrolle stehen. So kann eine funktionierende Lebensmittelrationalisierung größeren Mangel in der Bevölkerung verhindern, während über das Nachbarland Luxemburg eine der schlimmsten Hungersnöte der Landesgeschichte hereinbricht.

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Foto: Der östliche Grenztunnel der Straße nach Grevenmacher (Lux.) vor der Verschüttung. Rechts davon eine Eiche und über dem Zugang hängt das Banner Cavembourgs.

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Foto: September 1914. Der östliche Zugang nach Cavembourg ist verschüttet. Auch die Zufahrtsstraße wird zurückgebaut, indem man den Straßenbelag entfernt. Zusätzlich tarnt man die Tunnelzugänge mit Baumstämmen und Natursteinen. Die Eiche rechts fehlt bereits.

Film: Der Tunnel damals und heute. Gleich nach dem Krieg wurde er freigeräumt und die Straße instand gesetzt. Er ist wieder die Hauptzugangsstraße Richtung Osten und nie wieder verschüttet worden. Ein Verkehrsschild zeigt den Weg.

Fortsetzung folgt…

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