Der 1. Weltkrieg Teil 4: „Lutte de l´amour“ – Liebesmüh´

Während sich das kleine Land vor der Aufmerksamkeit der deutschen Generalität zu verbergen versucht, geht die größte Gefahr von den 30 verbliebenen deutschen Soldaten aus, die sich zunehmend langweilten und auf weitere Einsatzbefehle warteten. Innenminister Marcel Jamet erkannte das Problem.

Die Erfahrungen in der Tourismusbranche helfen nun, ein umfangreiches und aufwendiges Unterhaltungsprogramm zu organisieren. Neben einem Casino im Eingangsbereich, wird ein kleines Theater im Keller des Bahnhofsgebäudes eingerichtet – ausschließlich für die deutschen Soldaten und handverlesenen, einheimischen Gästen, meist aus dem konspirativen Polizeiapparat.
Gleichzeitig wird eine umfangreiche Überwachung der Soldaten etapliert: Die militärische Feldpost wird abgefangen, Einsatzbefehle gefälscht, die einzige Tageszeitung „Der bebilderte Monarch“ erscheint ab März 1915 auf französisch …. Die Soldaten waren so komplett von der Aussenwelt abgeschnitten und bekamen nur soviel Informationen, wie unbedingt notwendig. Sie wurden Geiseln und bemerkten es nicht.

Die staatliche Verschwörung gipfelt im Mai 1916 mit der „Lutte de l´amour“ – Liebesmüh´, einer Idee von Innenminister Jamet: „In Cavembourg wird der Krieg mit den Waffen der Frau geführt!“.
Jamet hatte Verbindungen in entsprechende Pariser Etaplissements und konnte acht Damen engagieren, die auf dem Bahnhofsgelände ein kleines Bordell betreiben sollten. Die staatliche Gage für die Damen war gut, die Arbeitszeiten geregelt und der Kundenstamm übersichtlich. Ausreichend Tabak, Alkohol und das Angebot an Amüsement reichten dann auch völlig aus, um den Soldaten die Kampfeslust auszutreiben.

Bahnhof1916.jpg

Foto: Aufnahme von 1916. Das Bahnhofsgebäude diente als Unterbringung der deutschen Soldaten. Im Keller des Gebäudes gab es ein Theater und in der Eingangshalle ein Casino eingerichtet. Die Soldaten wohnten im 1. Stock in den ehemaligen Verwaltungsräumen. Am Gebäude und auf dem Bahnhofsgelände entfernte man alle Ortsschilder und Landmarkierungen, um bei den durchfahrenden deutschen Militärzügen keine Aufmerksamkeit zu erregen. Auf Gleis 1 sieht man einen Faßwagen mit Weinfässern aus dem Bodenseeraum. Vermutlich ist er hier zur Versorgung der deutschen Soldaten abgestellt.

 

Bordell1916

Foto: Ab 1916 gab es in einem Nebengebäude auf dem Bahnhofsgelände ein kleines Bordell. Leider ist über die Personen auf dem Bild nichts überliefert. Es ging auf dem abgeschirmten Bahnhofsgelände, für damalige Verhältnisse, sehr freizügig zu. Das Gebäude dient heute wieder als Lagerraum für Bahnhofsutensilien.

Soldatengarten1

Foto: Auf einer Brache an den Gleisen hatten sich ein paar der deutschen Soldaten einen kleinen Garten angelegt und sogar ein kleines Gewächshaus errichtet. Neben Obst- und Gemüseanbau diente der Platz auch als geselliger Versammlungsort am Lagerfeuer.

soldatengarten2

Foto: An dieser Stelle gibt es heute noch einen Schrebergarten. Das Lagerfeuer und das Gewächshaus sind erhalten geblieben. Aufnahme aus den 1970gern.

manoever

Foto: Januar 1917. Hauptmann Hermann Merker mit einigen seiner Männern bei einem Manöver im Wald. Damit die staatliche Verschwörung nicht zu vergnüglich wurde, hält man in regelmässigen Abständen Schieß- und Kampfmanöver in den Wäldern ab – allesamt gestützt auf angeblichen, also gefälschten Befehlen der Obersten Heeresleitung.

Die Ereignisse am Mont Cave im März 1918 (von denen später noch berichtet wird) veranlassten Innenminister Jamet schließlich, den deutsche Hauptmann in die große Verschwörung einzuweihen. Hauptmann Merker war ein besonnener Mann, der angesichts der militärischen Lage, über die er ebenfalls aufgeklärt wurde, seine Überlebenschance und die seiner Männer richtig einschätzen konnte und beschloß das Ränkespiel mitzuspielen.
So patroullierten die Soldaten weiterhin laut ihrem Ursprungsbefehl und sicherten die Eisenbahnstrecken des Landes vor den Franzosen – die niemals kamen.

Fortsetzung folgt…

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