1. Weltkrieg Teil 5: Vollendete Tatsachen am Berg Mont Cave

Die cavembourgische Eisenbahnverwaltung SRCF hatte wiederholt bei der von der Deutschen Reichseisenbahn Elsaß-Lothringen kontrollierten luxemburgischen Prinz-Heinrich-Bahn um eine Umleitung der deutschen Militärzüge auf die südliche Umfahrung über Roodt-sur-Syre gebeten. Um dieser Bitte Nachdruck zu verleihen, gab man zuweilen vor, Gleis- oder Instandsetzungsarbeiten auf der cavembourgischen Hauptroute durchzuführen, was aber nur sehr kurze Transitpausen brachte. Nach drei bis fünf Wochen musste man die Strecke wieder frei geben und die deutschen Zügen rollten weiter über cavembourgisches Territorium und mit ihnen die Gefahr der Entdeckung.

Am 15. März 1918 schließlich sprengte ein Einsatzkommando der cavembourgischen Grenzschutzpolizei den Eisenbahntunnel nach Luxemburg und kurze Zeit später den Tunnel am Berg Mont Cave nach Grevenmacher und schaffte damit vollendete Tatsachen.

Die Straßentunnel waren bereits seit 1914 unpassierbar und so waren nun alle Transitwege zerstört. Die Militärzüge mussten über die Nebenstrecke im Süden via Roodt-sur-Syre ausweichen.

Die deutsche Oberste Heeresleitung aber glaubte an einen Sabotageakt luxemburgischer Freischärler. Die Lage spitzte sich gefährlich zu und in Cavembourg rechnete man mit Vergeltungsmaßnahmen….

Film: Ein deutscher Militärzug bei der Durchfahrt durch Cavembourg, Hauptbahnhof. Aufnahme vom März 1918. Es ist der letzte Militärzug, der die Route über Cavembourg nach Luxembourg nimmt. Zu erkennen ist eine badische VIb Br 75 mit drei Personenwagen, einem Kesselwagen und andere Wagen mit militärischen Gütern. Auf dem Niederbordwagen ist ein Mark IV Beutepanzer zu erkennen. Er wird später nach Cavembourg zurückkehren.

Fortsetzung folgt…

Ein Kommentar zu “1. Weltkrieg Teil 5: Vollendete Tatsachen am Berg Mont Cave

  1. Die Cavembourger waren nicht nur schlitzohrig sondern auch durchtrieben und strategisch denkend:
    Die Sprengung der Cavembourgischen Zufahrtstunnel erfolgte natürlich zu einem strategisch sehr guten Zeitpunkt, da die Kaiserliche Armee nämlich kurz vor Abschluss des Aufmarsches zur Frühjahrsoffensive 1918 stand.
    Der Nachschub und die Truppen wurden dazu vorwiegend über die nördliche Eifel an die Somme verlegt, also nördlich Cavembourg vorbei. Cavembourg wäre kurz danach im Zentrum der Aufmarschwege gelegen, um die Offensive im Mai an der Aisne vozubereiten.

    Weitgehend unbeachtet (nur die Cavembourgusche Regierung war wegen des drohenden Krieges eingeweiht) hatte die französische Armee schon kurz vor Kriegsbeginn einen kleinen Stützpunkt in den Bergen Cavembourgs errichtet, von dem aus der deutsche Funkverkehr abgehört wurde.

    Der französische Kryptoanalytiker und Artillerie-Offizier Capitaine Georges Painvin war im März 1918 eben in diesen Stützpunkt kommandiert worden und hatte den Auftrag, die deutsche Verschlüsselung zu knacken, welche überraschend am 1. März 1918 durch die Kaiserliche Armee eingeführt wurde. Er schaffte es auch tatsächlich im April und konnte so alle Funksprücke der Deutschen abfangen, bevor am 1. Juni 1918 eine neue Verschlüsselungsmethode seitens der Deutschen eingeführt wurde.

    Da die Cavembourgische Administration von dem Stützpunkt wusste, musste man auch deshalb verhindern, dass die Deutschen ihren Aufmarsch in Richtung Aisne durch Cavembourg vollführten. Zu leicht hätte der Horchposten besonders wegen der damals recht großen Antennenanlagen entdeckt werden können.

    Die Deutsche Armeeführung war zwar von der Tunnelsprengung kalt erwischt worden, musste aber die Aufmarschpläne für die weiteren Schwerpunktschlachten der Frühjahrsoffensive streng weiter verfolgen, weshalb der „Fall Cavembourg“ erst einmal hintenan gestellt wurde und danach in Vergessenheit geriet.

    Die Cavembourger wussten um die zu diesem Zeitpunkt über die Westfront verteilten Offensiven und daher war das Risiko einer Vergeltung relativ gering, weil die Truppen anderweitig benötigt wurden.

    Grüße aus Idar-Oberstein

    Erich

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