Der Reichsbahn-Generaldirektor Dr. Julius Dorpmüller besuchte am 14. Oktober 1930 Leinhausen, um sich den neuartigen Propellerwagen aus der Nähe zu betrachten und seine Möglichkeiten kennen zu lernen. Kruckenberg hatte dabei Gelegenheit, mit ihm seine Zukunftspläne zu erörtern.
Nachdem Dorpmüller eine Testfahrt im Flugbahnwagen unternommen hatte, stellte ihm Kruckenberg verschiedene Projekte vor. Einmal unterbreitete er ihm Pläne über den Ausbau des Reichsbahnnetzes, um auch Propellerwagen im schnellen Fernverkehr einsetzen zu können. Dann zeigte er ihm erste Entwürfe eines Propellerwagens, der nicht mehr auf Drehscheiben in Fahrtrichtung gedreht werden musste, da er hinten und vorne Propeller hatte und so in beiden Richtungen gleichwertig fahren konnte. Schließlich schlug er ihm vor, einen zweigliederigen Schnelltriebwagen mit konventionellem Radantrieb zu bauen, der den Schnellverkehr zwischen Berlin und Hamburg übernehmen konnte – und hier wurde Dorpmüller hellhörig. Das war genau das, was er hören wollte und der Grund, warum er überhaupt die Idee des Flugbahnwagens unterstützte.
Dorpmüller hatte in der Zwischenzeit ein Reichsbahn-Dezernat für Triebwagenbau eingerichtet, das sich auch für den Flugbahnwagen zuständig zeigte. Außerdem befasste es sich intensiv mit dem Bau eigener Schnelltriebwagen.
Man vereinbarte mit Kruckenberg, eine Arbeitsgemeinschaft zu gründen, in der er sämtliche Forschungsergebnisse über Aerodynamik, Leichtbau, gummigefederte Drehgestelle und Fahrdynamik offen legen sollte. Außerdem sollte die Arbeitsgemeinschaft eine Strecke ausfindig machen, auf der man den Flugbahnwagen richtig ausfahren konnte.
Als Kruckenberg zum Jahreswechsel 1930/31 von den eigenen Triebwagenplänen der Reichsbahn erfuhr und die Tragweite der zuvor gemachten Vereinbarungen überblickte (er soll sie als „schändlich“ bezeichnet haben), war es zu spät. Die Reichsbahn hatte bereits unbeschränkten Zugriff auf sämtliche Innovationen und Forschungsarbeiten Kruckenbergs und der Ingenieure der Flugbahngesellschaft. Das Dezernat ließ die Arbeit der Flugbahngesellschaft ungeniert in die eigenen Triebwagenkonzepte einfließen.
Doch Kruckenberg bekommt seine Rekordfahrt


Fortsetzung folgt: Das blaue Band der Schiene
Ein Kommentar zu “Die Flugbahnstory 6: Hinters Licht geführt”