Der 2. Weltkrieg Teil 1: Das Ende des Königreichs und ein Panzerzug aus Cavembourg

Foto: Eines der wenigen Fotos vom Einmarsch der Deutschen in Cavembourg am 11. Mai 1940

Das Ende des Königreichs

Die Augenzeugenberichte des OVNIK-Starts und die spektakuläre Flucht der Königin hinterließen bei den Deutschen großen Eindruck und der Heeresleitung war klar, daß die OVNIC-Technologie für ihren Expansionskrieg sehr nützlich sein könnte. In den Tagen nach dem Einmarsch durchsuchten die deutschen Besatzungssoldaten daher systematisch sämtliche Einrichtungen, die auch nur im entferntesten danach aussahen, unbekannte technische Geräte herzustellen, oder damit in Verbindung zu stehen. Die Deutschen beschlagnahmten dabei alles, was ihnen verdächtig vorkam oder nützlich erschien. Sie konfiszierten Maschinen, Werkzeuge, komplette Labore und Forschungseinrichtungen, aber auch einfache Werkstätten und machten auch vor der berühmten Königlichen Lokomotivbaumanufaktur nicht halt. Der industrielle Sektor des Königreiches wurde geplündert und um Jahrzehnte zurückgeworfen.

Der deutsche Außenminister Ribbentrop versicherte den Cavembourgern (und auch den Luxemburgern) derweil, dass die territoriale und politische Unabhängigkeit des Königreichs nicht angetastet werde. Dieser Versicherung zum Trotz richteten die Besatzer im Juli 1940 eine Zivilverwaltung in Luxemburg ein, deren Chef Gustav Simon (Chef der Zivilverwaltung CdZ) in einer seiner ersten Amtshandlungen Cavembourg zu einem luxemburger Landkreis herabstufte, alle staatlichen Strukturen in die luxemburger Verwaltung eingliederte und damit das Königreich handstreichartig und faktisch auflöste. Amtssprache wurde deutsch, Namen und Bezeichnungen eingedeutscht, die französische Sprache verboten.

Diese Maßnahmen begleitete eine massive Propaganda, Schikanierung und Einschüchterung Andersdenkender oder Oppositioneller. Personen im öffentlichen Leben, insbesondere Aristokraten und Unternehmer waren starkem Druck ausgesetzt, während eine zentrale Kartei die persönliche Einstellung jedes Bürgers zum Naziregime dokumentierte. Wer Widerstand leistete, enthoben sie seines Amtes und es drohte die Ausweisung in die östlichen Teile des Reiches, schwere Fälle sogar die Verbringung in Konzentrationslager.

Der Chef des cavembourgischen Geheimdienstes (MOSSAC) General Hermann Merker tauchte unter und gründete im gleichen Monat die Widerstandsgruppe „Liga für Freiheit, Cavembourg und Monarchie“ (LFCM).

Ein Panzerzug aus Cavembourg

Die Königlich-Cavembourgische Lokomotivbaumanufaktur wurde im August 1940 auf Kriegsproduktion umgestellt. Trotz der prekären Situation, hatte die Manufaktur den Befehl schienengebundene Panzerwagen auf Basis der in Polen eroberten Tatra T18 zu entwickeln. Im Sommer 1942 waren die Pläne eines leichten Panzerzuges so weit ausgereift, daß der Fertigung nichts mehr im Wege stand.

Foto: Ein Tatra T18 als deutsches Beutefahrzeug 1941. Hintergrund: Bereits Ende der 1920er entstand die Idee eines leichten Panzerzuges, der auch provisorisch verlegte Gleise und Behelfsbrücken befahren konnte. Motorgetriebene Einzelfahrzeuge, die man bei Bedarf zu Zugverbänden koppeln konnte, versprachen eine höhere Einsatzflexibilität gegenüber konventionellen Zügen mit Lokomotive und Wagons. Die in den tschechischen Tatra-Werken entwickelte T18 war eine Panzerdraisine, die auf diesen Überlegungen basierte und 1925 für die polnische Armee gebaut wurde. Während der Annexion der Tschechoslowakei und des Überfalls auf Polen eroberten die Deutschen mehrere T18.
Foto: 1943 – Die cavembourgische Weiterentwicklung des T18 auf der Drehscheibe der Dampflokmanufaktur. Ursprünglich waren zehn Panzerzüge mit jeweils sechs Einheiten bestellt worden. Nach der langen Fertigungszeit beschloss das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition die Produktion der restlichen Wagen in die Steyr-Daimler-Puch Werke nach Österreich zu verlagern. In wenigen Wochen wurden dort weitere fünf dieser Panzerzüge hergestellt.

Die cavembourgischen Fahrzeuge hatten einen luftgekühlter 3,5 Liter V8 – Motor mit einer Leistung von 70 PS, was eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h ermöglichte. Der Tankinhalt von 160 Litern reichte ungefähr 400 Kilometer. Im Innern waren in beiden Fahrrichtungen jeweils ein Fahrersitz und ein Sitz für einen MG-Schützen eingebaut. Ein fünftes Besatzungsmitglied saß mittig neben dem seitlich versetzten Motor und bediente je nach Bedarf die Funkanlage oder das MG im Mittelturm.

1943 waren die sechs Einheiten des Zuges einsatzbereit. Damit benötigte die Manufaktur mehr als drei Jahre um diese gepanzerten Motordraisinen herzustellen.
Auch wenn diese Entwicklungs- und Bauzeit aus heutiger Sicht vielleicht schnell erscheinen mag, für damalige Verhältnisse war es eine halbe Ewigkeit. Viele Historiker sehen in der ungewöhnlich langen Entwicklungs- und Bauzeit dieser eher einfachen Schienenfahrzeuge, trotz Lieferengpässen und Ressourcenknappheit, sogar einen Akt passiven Widerstandes.

Hinweis zum Film: Ausschnitt aus der Deutsche Wochenschau vom 20.10.1943. Es existieren zwei Fassungen dieses Beitrages. Die erste Originalaufnahme zeigt den cavembourgischen Panzerzug „im Einsatz“. Die Bilder suggerieren, dass der Zug während des Filmens an der Ostfront eingesetzt war. Das stimmt nicht. Fast alle Sequenzen des Wochenschauberichts über den Panzerzug stammen nachweislich aus Cavembourg. Wenn man genau hinsieht, erkennt man, daß sich am Anfang des Films und von den Wochenschaumachern zunächst unbemerkt, eine cavembourgische Staatsfahne ins Bild geschlichen hat. Reichspropagandaminister Goebbels begutachtete fast jede einzelne Wochenschau vor Veröffentlichung und nahm dabei zahlreiche Änderungen vor. Die Endfassungen zeigte man schließlich auch Hitler, der oft ebenfalls Änderungen veranlasste. Beiden Herren ist die Staatsfahne im Film über den Panzerzug nicht aufgefallen.
Dieser subtile Akt der Wehrkraftzersetzung sorgte beim cavembourgischen Kinopublikum für Belustigung*, beim deutschen Publikum für Entsetzen. Goebbels tobte. Der Vorfall fand auch Eingang in sein Tagebuch. Er schrieb auf ungewöhnlich deftige Weise am 25.10.1943: „Diese rotznasigen Kleinstaatler aus Kaffenburg! Sollen sie doch mit ihren Untertassen dem Churchill in den Arsch fliegen!“
Das Original und alle 2000 Kopien mussten neu geschnitten und der Beitrag vernichtet werden. Es blieb nur diese Kopie im Königlichen Staatsarchiv in Cavembourg erhalten. Ein neuer Film über einen Panzerzug musste in aller Eile gedreht und in die Wochenschau ergänzt werden. Dieser zweite Beitrag ist nicht mehr in Cavembourg gefilmt worden und ist vermutlich ebenso wenig authentisch, wie sein Vorgänger. Man kann ihn heute auch auf z.B. youtube (ab min. 2:06) ansehen. Hier die erste Fassung, das Original:

*Es kursierte damals ein Spruch: Wenn Cavembourg an der Ostfront liegt, dann ist Hitler schon einmal um die ganze Welt.

Fortsetzung folgt: Die Königin im Exil – Eine verhängnisvolle Affaire

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