Der 2. Weltkrieg Teil 7: Kriegslokomotiven – Eine kleine Exkursion

Hintergrund: Die Kriegslokomotiven der Baureihe 52 und 42 haben mit unserer Geschichte wenig zu tun, außer natürlich, daß sie ein häufiger Anblick auch im „Landkreis“ Cavembourg waren und die Lokomotivbaumanufaktur, neben ihren Aufgaben in der Kriegsproduktion, diese Reichsbahnloks oft für Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten in ihren Hallen hatte. Außerdem ist eine kurze Vorstellung dieser Lokomotivtypen angebracht, da sich die Freizeitbeschäftigung Zug-Fotografie im „Landkreis“ auch in den Jahren der deutschen Besatzung fast ungetrübter Beliebtheit erfreute und die passionierten Hobbyfotografen überwiegend diese Loktypen ablichteten und entsprechend viele Fotos existieren.

Die beiden Baureihen 52 & 42 waren einfache, aus der Kriegsnot entwickelte Dampflokomotiven, die so gar nicht in die Breitspur-Phantastereien des deutschen Despoten zu passen schienen. Denn der Krieg hatte die Reichsbahn nahezu unvorbereitet getroffen und erst mit dem Russlandfeldzug 1941 erkannte die Reichsführung ihre Versäumnisse bei der Eisenbahn, die der aggressiven Expansion massiv hinterherhinkte, und im Winter 1941/42 in eine katastrophale Transportkrise geriet. Es mangelte vor allem an leistungsfähigen Lokomotiven, die den verschiedenen Transportaufgaben gewachsen waren. Doch Stahlmangel zwang die Reichsführung gleichzeitig zu radikalen Sparmaßnahmen. Die Ideen zur Lösung dieser Probleme reichten von Hermann Görings Vorschlag, Lokomotiven aus Beton herzustellen, bis zur völligen Abkehr von der Schiene, um auf Lastkraftwagen, Automobile und Autobahnen zu setzen. Zunächst aber versuchte die Reichsbahn die Ladevorgänge zu beschleunigen, Lok- und Wagenreserven aufzulösen und die Güterwagen um bis zu 2 Tonnen zu überladen.
Die Reichsführung versuchte das Ruder herum zu reißen und forderte mit dem „Führerprogramm“ 1942 den Bau von 15 000 Lokomotiven innerhalb von zwei Jahren. Die Lokproduktion ging an das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition, das eine einheitliche und zentral geleitete Kriegswirtschaft aufbaute. Dem Lokomotivbau wurde höchste Priorität eingeräumt.

Baureihe 52

Die Vorkriegslokomotive BR 50 war eine zuverlässige, robuste Güterzuglokomotive, von der noch viele Teile und halbfertige Maschinen in den Hallen der deutschen Lokomotivfabriken standen. Es bot sich an, diese Lokomotive als Grundstock für eine erste Kriegslokomotive zu verwenden, sie mit neuen, vereinfachten Baugruppen zu ergänzen und weiterzubauen. Während der Produktion wurden immer mehr vereinfachte Teile verwendet, bis schließlich eine neue K-(riegslokomotive) Baureihe entstand. Der Übergang war fließend: Von der ursprünglichen BR 50 bis 1942, über sogenannte „ÜK“ – Lokomotiven (Übergangskriegslokomotiven) bereits mit der Bezeichnung BR 52 (002 – 349) bis zur eigentlichen Kriegslokomotive, die durch die Vereinfachungen und diverser Frostschutzmaßnahmen auch äußerlich nur noch wenige Gemeinsamkeiten mit ihrer Ursprungslok aufwies.

Foto 1: Die Vorkriegslok BR 50 war für Friedenszeiten entwickelt worden. Sie war vor dem Krieg ein häufiger Anblick auch im Königreich.
Foto 2: Kriegsbedingt vereinfachte man die BR 50 und reihte sie schließlich in die Baureihe 52 ein.
Foto 3: Eine BR 52 mit Kondenstender. Diese Maschinen konnten in den Weiten der Sowjetunion mit einer Wasserfüllung bis zu 1000 Kilometer zurücklegen. Außerdem hatten sie so gut wie keine Dampffahne, was sich später auch im Westen bezahlbar machte, da sie für angreifende Flugzeuge schwerer auszumachen war und die Versorgung der deutschen Truppen nur mit Kondenstenderlokomotiven einigermaßen sicher gelang.
Foto 4: Die Lüfterräder an einer BR 52 mit Kondenstender

Baureihe 42

Die Okkupation tschechischer, österreichischer und polnischer Gebiete mit ihren leichten Gleisoberbauten erforderten bald mittelschwere Güterzuglokomotiven, die konstruktiv bereits geplant waren, jedoch im eskalierenden Krieg zu aufwendig und zu kostspielig erschienen. Die Pläne für einen neuen Loktyp mussten „entfeinert“ und vereinfacht werden. Die Reichsbahn entschied sich für zwei Bauarten: Einen Typ der Baureihe 42 mit herkömmlichem Stehkessel und einen mit Brotankessel, von dem jedoch nur zwei Exemplare gebaut wurden.
Wie die Baureihe 52 musste auch die neue 42 unter Kriegsbedingungen in großer Stückzahl gebaut und unter erschwerten Bedingungen einsatzfähig sein. Anfang 1944, als die Produktion der BR 42 anlief, reduzierte die militärische Entwicklung den Bedarf jedoch von 800 auf 80 Maschinen pro Monat. Auf Kondenstendervarianten verzichtete man ganz.

Bei allen Anstrengungen waren die Versäumnisse im Eisenbahnbau nicht mehr aufzuholen und der Russlandfeldzug scheiterte. Die schwierige Kriegssituation veranlasste die Reichsführung bereits 1944 ihre Prioritäten zu verschieben und der Panzerbau verdrängte den Lokomotivbau fast vollständig. Die alliierten Luftangriffe auf deutsche Lokfabriken taten ihr übriges. Am Ende des Krieges waren ca. 6100 Loks der Baureihe 52 und 844 der Baureihe 42 gebaut worden.

Foto 5: Im Westen waren die BR 42 meistens ohne Frostschutzeinrichtungen unterwegs
Foto 6: Die Kriegslokomotiven BR 42 und 52 waren ein täglicher Anblick auf der Transitstrecke durch den „Landkreis Cavembourg“

Auch wenn die zu erreichende Betriebszeit der Kriegslokomotiven auf fünf Jahre veranschlagt war, so taten noch viele der Maschinen bis in die 1960er in verschiedenen europäischen Bahnverwaltungen Dienst.
Bis 1948 baute die Lokomotivfabrik Florisdorf/Österreich Lokomotiven der BR 42. Unter anderem für die polnische Staatsbahn 126 Einheiten und zwanzig Lokomotiven für die luxembourgischen Staatsbahn CFL, wo sie unter den Ordnungsnummern 55xx eingereiht und im schweren Kohle- und Güterzugverkehr eingesetzt waren. Die 5519 blieb erhalten und ist heute Museumslok mit regelmässigen Fahrten auch durch Cavembourg.

Foto 7: Die 5519 der CFL auf einer Fahrt als Museumslokomotive in Cavembourg Hauptbahnhof. Hier trifft sie auf den modernen Triebzug Talent 2.
Foto 8: Die italienischen Staatsbahn hatte mit Speisewasservorwärmern den Brennstoffverbrauch von Lokomotiven um bis zu 15% reduziert und angesichts steigender Kohlepreise in den 1950ern rüstete auch die Deutsche Bundesbahn zwei ihrer BR 52 (52 893 und 52 894) mit sogenannten Franco-Crosti-Vorwärmern aus. Durch die Gewichtszunahme des Umbaus wurde die Lokomotiven schließlich in die BR 42 eingereiht (42 9000 und 42 9001). Das Foto zeigt die 42 9000 in morgendlicher Stimmung am BW Cavembourg (1954)

Nachdem im Jahr 1944 die Produktion der Baureihe 42 anlief, plante die Reichsbahn bereits den Bau einer weiteren Kriegslokomotive: Die Baureihe 53. Eine schwere Güterzuglokomotive, die den Krieg zwar nicht mehr erlebte, aber in Cavembourg vollendet wurde. Doch davon wird im nächsten Kapitel berichtet….

Fortsetzung folgt: Eine Kriegslokomotive für den Frieden – Die Baureihe 53

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