Der 2. Weltkrieg Teil 10: Operation „SoftDrive-Sinus“ Teil 1

Im Jahr 1944, als sich die Befreiung von Paris abzeichnete und das Königreich in die Reichweite der Alliierten rückte, entschloss sich die cavembourgische Königin Siegfriede, die immer noch im Exil in London weilte, so früh wie möglich zurück nach Cavembourg zu gehen. Sie vertraute nicht auf die Zusagen der Verbündeten, daß in einer europäischen Nachkriegsordnung ihr kleines Land als souveräner Staat Berücksichtigung fände. Selbst Charlotte bangte um den Fortbestand ihres Großherzogtums und betonte in ihren Radioansprachen immer eindringlicher die Eigenständigkeit Luxemburgs – eine unverhohlene Botschaft auch an die Befreier.

Hermann Merker stand in ständigem Kontakt mit London und mit seiner Königin. Bereits Mitte Juni 1944 konfrontierte sie ihn mit dem Wunsch aktiv an der Befreiung ihres Landes mitwirken zu wollen und beim Vormarsch der Alliierten nach Osten dabei zu sein. Sicherheitsbedenken schlug sie mit den Argumenten in den Wind, daß die Thronfolge geregelt, London durch deutsche Bomben- und Raketenbeschuss auch nicht sicher sei und Prinzessin Delane mit ihrer Zofe im englischen Hinterland bliebe.
Da es viel zu gefährlich war mit dem Flugzeug oder mit einem Schiff über den Ärmelkanal zu gelangen, musste eine verborgene, heimliche Reise in Betracht gezogen werden. Zusammen mit Merker entwickelte sie einen tollkühnen Plan.

Die cavembourgische Widerstandsgruppe LFCM hatte sich kurz nach der angloamerikanischen Invasion der französischen Résistance angeschlossen, und so war es Merker (Agentenname „Sinus“) möglich, sich in Nordfrankreich, Belgien und Holland zwar im Verborgenen, aber doch einigermaßen frei zu bewegen. Mit diesem Hintergrund startete er die Operation „SoftDrive-Sinus“, die seine Königin (Codename „Soft“) über den Ärmelkanal und im Rücken der vorrückenden Alliierten nach Hause bringen sollte (Codename „Drive“).

Am 20. August 1944 gelang es einer Gruppe der LFCM unter dem Kommando von Hermann Merker, ein U-Boot vom Typ „Seehund“ während einer Erprobungsfahrt vor der Küste bei Ijmuiden (NL), dem Stützpunkt der „Seehund“ -Flottille, zu kapern. Sie hatten mit einem Fischkutter das aufgetauchte U-Boot querab geentert, die beiden unbewaffneten Besatzungsmitglieder überrumpelt, festgesetzt und das Boot übernommen. Der Fischkutter hatte Treibstoff und Vorräte an Bord, die nun auf das U-Boot umgeladen wurden. Dann nahm das U-Boot Kurs auf das offene Meer, während der Kutter durch die Schleuse in den Hafen von Ijmuiden zurückkehrte.
An Bord des U-Bootes saßen der britischer Pilot und Geheimagent James Steam, der bei einem fingierten Flugzeugabsturz über Cavembourg aufgegriffen worden war, und Merker, der sich bereits bei Testfahrten mit dem Prototypen in Cavembourg im Seehundteich („Etang du phoques“) mit der Steuerung und Navigation des Kleinst-U-Bootes bestens vertraut gemacht hatte, und die Vorzüge diese Bootstyps zu schätzen wusste.

In der Annahme, die vermisste „Seehund“ sei auf der Erprobungsfahrt gesunken, hatte die deutsche Flottillenführung nach 6 Stunden eine Bergungsmission abkommandiert, deren Suche natürlich vergeblich war. Die beiden jungen deutschen Matrosen fand man, nach einem anonymen Hinweis, zwei Tage später gefesselt im Keller eines leerstehenden Hauses im Stadtzentrum von Ijmuiden. Die gekaperte „Seehund“ hatte da bereits an einer Pier im englischen Seebad Hastings festgemacht, während die deutsche Marineführung angesichts dieser frechen Kaperfahrt tobte. Nicht nur, daß die Engländer nun von der Existenz der neuen Boote wusste und der strategische Vorteil damit zunichte war, auch das Überleben der beiden deutschen Matrosen saß wie ein weitere Stachel der Wehrkraftzersetzung im Fleisch der gesamten Flottille. Hilflos ordnete die Flottillenführung das Tragen von Handfeuerwaffen an Bord der U-Boote an.

Für die 180 Seemeilen von Ijmuiden nach Hastings benötigte die Seehund 28 Stunden.

Foto: Im südenglischen Badeort Hastings empfängt Königin Siegfriede (auf der Pier vorne stehend) ihren Geheimdienstchef Hermann Merker (auf der Kanzel des U-Bootes stehend) und seinen Begleiter (im Boot sitzend).

Fortsetzung folgt: Operation „SoftDrive-Sinus“ Teil 2

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