Vom Trafo zur PC-Steuerung Teil 3: Quantensprünge

Der folgende Beitrag ist etwas polemisch und mag dem ein oder anderen vielleicht sauer aufstoßen. Es gibt sicher Modellbahner, die meine Probleme mit der CS3 nicht so empfinden, diese Steuerzentrale gerne nutzen und die am stundenlangen Programmieren einfacher automatischer Abläufe Spaß haben. Und das ist auch völlig OK. Bitte verzeiht mir, ich gehöre nicht dazu ….

Meine Anlage „Cavembourg“ hat eine Grundfläche von ca. 12 qm inklusive der 4 SBHs auf zwei Ebenen mit insgesamt 20 Gleisen. Sie ist also nicht sehr groß. Trotzdem hatte ich bald das Gefühl, daß man einen Hang zum Masochismus oder zumindest Zen-artige Selbstbeherrschung besitzen sollte, wenn man mit der CS3 z.B. eine automatische SBH-Steuerung von 20 Gleisen programmieren möchte.

Da traf eine ambitionierte, aber noch unausgereifte Steuerzentrale auf einen Modellbahner, der sich nicht schon wieder in ein neues System hineinarbeiten wollte. Ich merkte, dass Märklin die Programmierung per Zugfahrt auf die Spitze getrieben und dafür sogar einen eigenen Fachjargon und eine eigene Symbolsprache erfunden hatte und daß die Darstellungsmöglichkeiten der CS3 leider mehr als beschränkt sind. Und es gibt kein Handbuch, das alle Informationen und Erläuterungen zusammenfasst. Das Buch „Digital steuern mit der CS 3“ für 19 € hat leider enorme Lücken und beschreibt nur die ersten Schritte (z.B. fehlt die erweiterte Ereignissteuerung komplett). Man muss sich also alle Informationen mühsam aus dem Netz zusammensuchen oder selbst herausfinden.

Ich konnte diese Produktpolitik von Märklin und schließlich die CS3 selbst nicht mehr mittragen. Auch wenn es bei der Einführung der CS2 ähnlich zugegangen sein mag und auch diese Zentrale erst nach Jahren ausgereift war. Eines werden die CS3-Entwickler nicht so schnell beheben können: Ab einer gewissen Größe und eines gewissen Umfangs einer Anlage, auch auf einem externen VNC-Viewer eines Computers, wird der auf Touchscreen-basierte Aufbau mit Symbolen und sich überlagernden Fenstern zu unübersichtlich. Hier fehlt, neben vielen anderen Dingen, dringend ein Bearbeitungsmodus für den Computer, mit scrollfähiger Listen-Ansicht und nebeneinander platzierbaren Fenstern. Die Unterteilung des Vorgängermodells CS2 mit den Reitern empfinde ich im Nachhinein als deutlich komfortabler.
Die „Usability“ der neuen Zentrale erschließt sich mir bis heute nicht. Und dabei lasse ich die vielen unsauberen Softwarefehler mal beiseite.

Ich war zu diesem Zeitpunkt von der CS3 sehr frustriert und habe das auch raus gelassen, in höflicher und abgeschwächter Form auch direkt an Märklin. Für deren Beschwichtigungen und die Hinweise auf ein Update und baldige Hilfe in Form eines eigenen Youtube-Formats, war ich aber schon nicht mehr empfänglich. Die Youtube-Videos der CS3-„Profis“ halfen mir dann auch nicht, da diese Profis mit ihren Mini-Gleisplänen auf dem Bildschirm der CS3 keine Darstellungsprobleme bekamen und mit neuen Fachbegriffen, wie Macros, Randoms, ifs usw., für Verwirrung sorgten.
Ich bin sehr gespannt, wie man die große Modellbahnanlage im Märklineum mit nur einer CS3 zum Laufen bekommt (lt. Aussage eines Märklinmitarbeiters!), bemitleide die Programmierer der automatischen Abläufe schon heute und lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Foto: Mit diesem Mini-Gleisplan erklären die CS3-Profis von Märklin die erweiterte Ereignissteuerung. Eine Lokomotive, eine Weiche, drei Rückmelder. Damit bekommt man natürlich keine Darstellungsprobleme….Funfact: Dass mit dem Update auf 2.0.0(1) die Rückmelder nicht mehr in das Gleisbild integriert waren, wird im Video geflissentlich ignoriert. Quelle: Youtube-Kanal von Märklin
Foto: Auch im Video der CS3 – Profis zeigt sich die Unzulänglichkeit des CS3 – Gleisbildes. Während in Wirklichkeit die beiden Abstellgleise parallel verlaufen, sind sie im Gleisbild der CS3 krumm gezeichnet. Um diese Gleise korrekt darzustellen, benötigt es viel Geduld, die selbst die Märklinleute nicht aufbringen.

Meine Leidensgrenze war erreicht. Ich machte mich auf die Suche nach einer Alternative und fand sie in Form einer PC-gestützten Steuerung. Und so wie damals der Wechsel von der MS2 zur CS2, war für mich der Wechsel von der CS3 zu iTrain ein weiterer Quantensprung.

iTrain war das erste Steuerungsprogramm, das ich testete, und auf Anhieb hat es mir gefallen. Nach ein paar Schwierigkeiten, von denen ich unten noch berichte, war nach wenigen Abenden meine komplette Anlage in das Programm eingepflegt. Auch die 15 wichtigen Lokomotiven, die in den SBHs stehen, waren bald eingemessen.
Ein echter Augenöffner und AHA-Effekt war: Bei meiner ersten Probefahrt mit einem der Züge aus dem SBH schloß sich plötzlich und für mich völlig unerwartet und zum richtigen Zeitpunkt mein Bahnübergang. Ich erschrak förmlich. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hatte zwar seine Position und seine Adresse eingegeben, aber sonst keinen Gedanken an ihn verschwendet und war der Meinung, daß ich ihn irgendwann als Ereignis (in iTrain „Aktion“) anlegen würde. Der Zug fuhr drüber und er öffnete sich wieder.
Dann „fiel es mir wie Schuppen von den Augen“: Das Programm weiß ja wo sich welcher Zug befindet – Zugverfolgung mittels „Positionen“! D.h. eine Programmierung des Bahnübergangs ist nicht nötig und seine Bedienung erfolgt unabhängig von den beiden Rückmeldern, die ich aus CS-Zeiten dort noch eingebaut hatte. Auch die SBH-Steuerung und solche komplexen Dinge wie eine Blocksicherung, oder Banales wie langsames Anhalten und Abfahren am Bahnhof oder eben auch einen Bahnübergang rechtzeitig ansteuern, macht iTrain von ganz alleine. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt nicht klar, was eine PC- Steuerung tatsächlich bedeutet.
Der Spaß am Hobby war damit wieder hergestellt – so muss das sein!

Und noch ein weiterer Vorteil: Es gibt ein kostenloses, ausführliches Handbuch im pdf-Format, das keine Fragen offen lässt, und falls man „auf dem Schlauch steht“, hilft ein kompetentes Fachforum (Nur der Vollständigkeit halber: Erklärvideos gibts es auch).

Die Zugverfolgung (Positionen) ist mit iTrain Version 4 bereits so weit ausgereift, daß nur ein Rückmelder pro Block nötig ist und dieser dient nur noch als Rückversicherung, ob der Zug im errechneten Zeitraum tatsächlich da ist, wo er sein sollte (ansonsten wird die Fahrt unterbrochen und das Programm schlägt Alarm). Was dieses Programm auf Anhieb kann, hatte mich mit der CS2 ungezählte Abende an Programmier-Zeit gekostet und da war ich weit davon entfernt, was iTrain jetzt schon bei mir leistet.
Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie viel Zeit und Nerven es mich gekostet hätte, diesen Status mit der CS3 zu erreichen…

Foto: Zum Vergleich: iTrain im Bearbeitungsmodus. Klar und aufgeräumt. Nichts wird verdeckt, scrollbare Listen und ein immer einsehbarer Gleisplan.

Natürlich gab es auch mit iTrain Hürden. So hatte ich, wie erwähnt, keinen richtigen Gleisplan der Anlage. Vor allem keinen, in dem die Gleis- bzw. Blocklängen, die Längen der Weichen und die Positionen der Kontaktgleise bzw. Melder zentimetergenau eingetragen gewesen wären. Und erschwerend kam hinzu, daß alle sichtbaren Gleise eingeschottert sind.
Doch iTrain arbeitet nur korrekt, wenn man genau diese Daten zur Verfügung hat und entsprechend einpflegt. Nachdem ich die gut erreichbaren Abschnitte mit einem Metermaß erfassen und mit einem Wagen die Kontaktgleise, ihre Position und Längen ermitteln konnte, wurde es etwas kniffliger in den verdeckten, schwer zugänglichen Gleisabschnitten. Ich besorgte mir dafür den Messwagen von Piko, um mit diesem die schwer erreichbaren Bereiche auszumessen.

Foto: Mit dem Piko Messwagen habe ich die Stellen ausgemessen, die mit einem Metermaß schwer erreichbar sind. Der Messwagen ist über WiFi mit dem Smartphone verbunden. So lassen sich alle Werte, auch die Streckenlänge der Blöcke, bequem ablesen.

Nachdem ich im erwähnten iTrain-Forum gelesen hatte, was für einen Aufwand einige Nutzer mit dem Einmessen ihrer Loks betreiben (wissenschaftlich anmutende CV-Einstellungen, Zerlegen der Lok, peinlichste Säuberung der Motorkomponenten und die Anschaffung von Messmodulen etc.), versuchte ich es erstmal auf dem einfachen Weg.
Ich stellte die Anfahr- und Bremsverzögerung auf 0 und ließ die Loks, so wie sie sind, zwischen zwei Meldern hin und her fahren. Das lieferte bei einigen, vor allem älteren Loks zwar unbefriedigende Ergebnisse, wie z.B. daß sie bei gleicher Fahrstufe Rückwärts schneller fuhren als vorwärts, aber das ignorierte ich jetzt erstmal. Außerdem maß ich nur jede 10. Fahrstufe ein, was den Zeitbedarf bei 126 Fahrstufen pro Lok erheblich verkürzte.

Stoppstellen und schaltbaren Gleisabschnitte sind mit iTrain, bei einer gut eingemessenen Anlage und ebensolchen Lokomotiven, theoretisch nicht nötig. Trotzdem sind schaltbare Abschnitte nach wie vor wichtig, um zu verhindern, daß ein Zug „durchrutscht“. Gerade in uneinsehbare SBHs oder in Blöcken, die längenmässig keine großen Bremswege erlauben. Für mich und meine groben Lokomotivmessungen sollten sie sich als sehr nützlich erweisen.

Eine Liste von meinen ganz persönlich empfundenen Unzulänglichkeiten der CS3. Alle, die diese Dinge nicht so sehen wie ich, gönne ich das von ganzem Herzen!
  • Kein kostenloses Handbuch, auch nicht als pdf
  • Kein Import von Lokbildern, Gleisbild, Artikeln und Zubehör von der CS2
  • (noch) keine Traktionen (ich hoffe auf baldiges Softwareupdate – so lange sind meine US-F7 mit der CS3 nicht fahrbar!)
  • Helligkeit/Kontrast und Schriftgröße nicht einstellbar (ich kann die schwarze Schrift auf der dunkelgrau unterlegten Artikelliste nur mit Lupe entziffern)
  • Maus direkt an CS3: Anklicken im Gleisplan mit Mauszeiger führt zu unkontrolliertem Zoomen im Gleisplan
  • kein Wlan (wer hat seinen Router im Mobazimmer? Bei mir ist das der Keller: Man muss also einen Repeater kaufen und noch eine Steckdose besetzen)
  • Unpräzise Touchbedienung (es musste wohl das billigste Touchpad herhalten)
  • Man muss ständig die Fenster hin und herschieben, auf und zuklappen, da sie sich überlagern (besonders nervig im Bearbeitungsmodus und in Zusammenhang mit dem vorherigen Punkt!)
  • Keine extra Computeransicht mit scrollbaren Listen und nebeneinander plazierbaren Fenstern (siehe vorheriger Punkt)
  • Gleisbildzeichnen – Ein echtes Geduldsspiel. Auch die Sinnhaftigkeit dieser Darstellungsweise erschließt sich mir nicht. Hat das nur optische Gründe? (ich habe das Gleisbild aufgegeben und mich auf das Stellpult beschränkt)
  • CVs bearbeiten: Da ist noch der Wurm drin. Manchmal klappts aber.

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